Weißraum, weißte?

Unternehmen wollen ihre Botschaften loswerden, ganz klar. Ist es da nicht logisch, dass der vorhandene Platz in verschiedene Medien optimal genutzt wird und mit ganz vielen Inhalten und Informationen gefüllt wird? 


Kurz gesagt: Nein.

Wahrnehmung ist alles. Sie ist unser Tor zur Welt, ermöglicht Kommunikation und macht alles um uns herum erfahrbar. Sehen und Lesen gehören zu den wichtigsten Methoden, mit deren Hilfe wir uns informieren.

Wenn wir aber abstrakte, codierte Informationen wie Zahlen und Texte verarbeiten sollen, bedingt das unmittelbare Umfeld, ob wir verstehen, was wir dort sehen, oder ob wir schnell gelangweilt und überfordert zum nächsten Blickfänger weiterziehen.

Für eine erfolgreiche Kommunikation in verschiedenen Medien ist daher ein Element absolut entscheidend, dass nicht direkt ins Auge fällt: der Weißraum.

Das Drumherum entscheidet

Der vermeintlich leere Raum zwischen Headlines, Texten, Tabellen und Bildern ist ein wichtiges Tool, um Informationen so zu strukturieren, dass sie wirken und leicht aufgenommen werden können. Zu kleine Abstände sorgen für Unübersichtlichkeit, zu große hingegen verwischen Zusammenhänge.

Was wann und wo Sinn ergibt und gut wirkt, ist also nicht zuletzt eine Frage des richtigen Weißraums. Er ist überall vorhanden, wo gestalteter Raum vorkommt – im Print, online, auf Events wie Messen und Ausstellung etc. – und strukturiert alle Informationen und Inhalte, die zusammenkommen. Folgende Formen verschiedener Weißräume lassen sich unterscheiden:

Mikro-Weißraum bestimmt die Abstände zwischen Überschriften, Textabschnitten, Bildern, und weiteren nichttragenden Elementen, inklusive der Abstände zwischen und innerhalb von Buchstaben. Er unterstützt maßgeblich die Leserlichkeit von Texten und sorgt so für ein leichtes ungestörtes Wahrnehmen von Inhalten.

Makro-Weißraum ist der Freiraum zwischen den tragenden Elementen, also Texten und anderen Elementen auf einer Website, einem Plakat oder einer Messewand. Er bestimmt das gesamte Erscheinungsbild der Komposition.

Aktiver Weißraum leitet den Blick von einem Element zum nächsten und bestimmt zum Beispiel den Lesefluss bei der Betrachtung einer Seite.

Passiver Weißraum bringt als Teil der Mikrotypografie Ordnung in die einzelnen Elemente und regelt beispielsweise Abstände zwischen Zeilen oder Zeichen. Er ermöglicht so ein ruhiges, klares und ansprechendes Textbild.

weißraum

Warum nicht mal Blauraum?

Die Bezeichnung Weißraum kann allerdings in die Irre leiten, denn er muss nicht immer weiß sein. Weniger verwirrend lässt sich daher auch von Negativraum oder Leerraum sprechen. Der Name hat seinen Ursprung im Print, wo Zwischenräume materialbedingt meistens weiß sind. Denn weißes Papier trägt Druckerschwärze und Tinte ganz hervorragend und sorgt somit für einen deutlichen Kontrast und gute Lesbarkeit. 

Die jahrhundertelange Gewöhnung an diese Art der Darstellung hat dafür gesorgt, dass im Digitalen die meisten Inhalte ebenfalls auf weißen, bzw. hellen Oberflächen abgebildet werden. Allerdings assoziieren wir neben einer guten Lesbarkeit auch eine gewisse Hochwertigkeit mit aufgeräumten und minimalistischen weißen Designs, die oft der gestalterischen Aufwertung von Premium-Produkten oder -Dienstleistungen dienen. Gute Beispiele dafür sind die Seiten von MetaLab, The Modern House und Simon Foster Design.

Dabei machen weiße Flächen auf Bildschirmen eigentlich nur selten Sinn und sind vor allem ein Luxus, der nicht nur stromintensiv in der Darstellung ist, sondern über längere Zeiträume auch sehr anstrengend zu betrachten.

Weißraum kann also andere Farben annehmen und tut dies auch häufig.

Direkt zum Inhalt

Entscheidend ist die richtige Abstimmung des Weißraums mit den Inhalten, die gespielt werden sollen. Bei vielen Informationen auf einer Seite ist Weißraum ein Element zur Strukturierung. Bei der fokussierten Darstellung einzelner Objekte hingegen wirkt Weißraum wie ein Bühne und kann beispielsweise die Besonderheit hochwertiger Produkte betonen.

Perfekt abgestimmter Weißraum sorgt in einer Komposition nicht nur dafür, dass das Betrachten angenehm ist, sondern ermöglicht einen direkten Blick auf die entscheidenden Inhalte. Er sorgt dafür, dass damit nichts zwischen Ihrer Aussage und Ihren Kunden steht.

5 Min. Lesezeit
— Erschienen am 03.05.2019
Janik Törker